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Abenteuer Rückreise – (Hörnum, Tinnum, Sylt, Tondern, KZ Ladelund, Kloster Nütschau, Staaken, Berlin, Neukölln)

Abenteuer Rückreise

 

Nachdem mein alter Golf die zweimalige Fahrt über den holperigen Weg zur Kupferkanne nicht überstand, Donnerstagabend nach Dienstschluß auf dem Parkplatz einer als „Apotheke“ bekannten Werkstatt in Tinnum landete, Freitagnachmittag dann die Diagnose „Stoßdämpfer hinten rechts ist rausgerissen“ erhielt, begann das Zittern, denn die Ersatzteile sollten erst Montagmorgen angeliefert werden. Die Ferienwohnung mußten wir Montagmorgen um 10 Uhr verlassen.
Auf unsere Anfrage bei der Vermieterin, ob wir unsere vielen Sachen im Untergeschoß vor dem Keller lagern könnten, bis ich den Wagen mit dem Bus nach Tinnum abgeholt hätte, bot unsere Vermieterin an, uns und all die Plünnen zur Werkstatt zu fahren. Eigentlich ein sehr nettes Angebot. Aber mir bereitete es Alpträume zum einen wegen des Umfangs unseres Gepäcks, andererseits weil ich nicht wußte, wann genau der Wagen fertig sein würde, ob wir mit all den Sachen dann in Tinnum auf der Straße im Regen stehen würden, ob es überhaupt weitere Komplikationen gäbe etc………
Aber – es ging alles gut! Die Vermieterin brachte uns und unsere vielen Dinge im Caddy problemlos zur Werkstatt, der Wagen war fertig – mein Konto auch…., – es schien die schönste Sonne, und wir konnten zur Heimfahrt starten.

Wir verließen viel früher als sonst die Insel. Gewöhnlich frühstücken wir noch irgendwo, gehen nochmal an den Strand, wenn das Wetter schön ist, und starten erst nachmittags. Diesmal standen wir in der brütenden Mittagssonne an der ersten Tankstelle nach dem Autozug, und ich hatte spontan die Idee, erstmal nach Tondern zu fahren statt mich in der Hitze auf der Autobahn zwischen LKWs zu quälen.
Als wir durch Süderlügum fuhren, sahen wir zufällig ein Hinweisschild zur Gedenkstätte KZ Ladelund. Spontan entschieden wir uns, dem Hinweisschild zu folgen, kamen über eine kleine Straße nach Ladelund, fanden aber auf dem ganzen Weg kein weiteres Hinweisschild. In Ladelund gab es eine Ortskarte, dort auch den Eintrag „Gedenkstätte“, so daß wir annahmen, daß damit das KZ gemeint sein könnte. Wir landeten an einem kleinen Dorffriedhof mit einem modernen Gebäude, das eine Ausstellung zum KZ in Ladelund enthielt, aber montags geschlossen hat. Ich blieb beim Auto, während Steffi sich umschaute. Und sie kam und kam nicht wieder. Ich pfiff, ich rief, keine Antwort. Dann verließ ein älterer Herr das Gebäude, den ich fragte, ob er eine einzelne Dame gesehen hätte. Ja, sie würde sich drinnen die Ausstellung anschauen. Wie? Die Ausstellung sei geöffnet? Nein, aber das Gebäude sei offen, da eine Besprechung stattfinden würde. Spontan ging er wieder mit mir in das Gebäude und gab Steffi und mir eine Spontan-Führung. Das war sehr nett und informativ! Hier der Link zur Gedenkstätte: http://www.kz-gedenkstaette-ladelund.de/

Nun war es für unseren Ausflug nach Tondern schon viel später. Wir fuhren weiter über sehr kleine Straßen nach Dänemark. Steffi fand unterwegs noch einen Stand mit dänischen Kartoffeln, und wir verbrachten dann in Tondern wesentlich weniger Zeit als geplant.

Als wir Tondern verließen, überlegten wir, wo wir übernachten könnten. Wir umfahren immer gern Hamburg, da die Fahrt DURCH Hamburg immer das Blödeste an der Reise nach Sylt ist. Steffi war neugierig auf Bad Segeberg. Wir befuhren die Bundesstraße 206, an der auch Bad Bramstedt liegt. Dann gibt es da auch noch Bad Oldesloe, und ich war neugierig, wieso das alles Bäder sind.
Wir beschlossen, uns erst Bad Bramstedt anzuschauen und dann gegebenenfalls weiter nach Bad Segeberg zu fahren.
Steffi hatte in Bad Bramstedt ein Hotel ausgesucht, an dessen Adresse uns als erstes „Seniorenresidenz xy“ begrüßte. Äh, ja…… Zum Glück war das Hotel ausgebucht. Wir riefen die Hotels in Bad Segeberg an: entweder ging niemand ans Telefon, oder sie waren ausgebucht. In Bad Bramstedt war es ähnlich bis auf ein Hotel, dessen Rezeption allerdings in einer Viertelstunde schloß. Das Navi schickte mich erst einmal in die Wüste…… Mit Hilfe von arabischen Einheimischen am Marktplatz fanden wir dann dieses Hotel am Ende eines langen Waldweges: Hotel Tanneneck. Vorbei führte uns unser Weg an den Gebäudekomplexen der Schön-Klinik. Da fiel es Steffi wie Schuppen von den Augen, wieso sie von Bad Bramstedt überhaupt schon einmal etwas gehört hatte: Aus beruflichen Gründen, da die Klinik psychische Erkrankungen behandelt.

Hatten wir auf der Hinreise in einem super stylish eingerichteten Hotel übernachtet, fanden wir hier nun das Gegenteil. Ich kam mir vor wie auf einer Konfirmandenfreizeit in den 70ern. Aber alles war sehr funktionabel. Diesmal gab es auch einen Schrank, kein spritzendes Waschbecken, sogar eine Terrasse und absolute Ruhe im Wald. Wir fanden auch noch einen Griechen, der noch geöffnet hatte und so lecker war, daß ich, wäre er in Berlin, sein Stammgast wäre.

Am nächsten Morgen fuhren wir dann weiter über Bad Segeberg und wollten eigentlich auf die 404. Aber irgendwie nahm ich eine Abfahrt auf eine kleine Straße, die über viele Dörfer führte. Ich persönlich liebe diese Art des Reisens. Da wir aber ja irgendwann doch nochmal in Berlin ankommen wollten, mußten wir in eine noch kleinere Straße Richtung 404 abbiegen. Diese kleine, gewundene, bergauf führende Straße brachte uns zufällig zum Kloster Nütschau, von dem ich noch nie etwas gehört hatte. Es wirkte dort gar nicht wie Norddeutschland, sondern eher wie der hügelige Süden. Da es einen Klosterladen gab, machten wir halt. Im Laden waren als Kundinnen die erwartbaren älteren Damen mit kurzen grauen Haaren und seligen Gesichtern. Draußen auf dem Gelände bewegten sich aber auch Gruppen von jungen Mädchen, die anscheinend gerade zu einer Tagung dort waren. Hier mal der Link zu unserer Kloster-Entdeckung: https://www.kloster-nuetschau.de/

Unsere Fahrt ging dann weiter endlich auf der Autobahn. Bei Wittstock gab es einen Stau. Also fuhr ich wieder ab und so lange auf kleinen, schönen Straßen durch Brandenburgs Dörfer, bis der Stau zu Ende war. Vor Berlin nahm ich – wie so oft – die falsche Ausfahrt, und fuhr nach Jahrzehnten zum ersten Mal wieder über Staaken nach Berlin hinein. Das hat sich ja verändert! Ich habe das früher geliebt, mit meinen alten Autos über diese huppelige Straße an den russischen Kasernen vorbeizufahren. Nun ist da alles zweispurig und ein Einkaufszentrum und Erlebnisbad nach dem nächsten. Naja……..

Tja, und nun versuche ich, mich wieder an die Neuköllner BewohnerInnen zu gewöhnen………

 

Wiebke Hoogklimmer

http://www.volksliedsammlung.de

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