Archiv

Posts Tagged ‘Berlin’

Abenteuer Rückreise – (Hörnum, Tinnum, Sylt, Tondern, KZ Ladelund, Kloster Nütschau, Staaken, Berlin, Neukölln)

Abenteuer Rückreise

 

Nachdem mein alter Golf die zweimalige Fahrt über den holperigen Weg zur Kupferkanne nicht überstand, Donnerstagabend nach Dienstschluß auf dem Parkplatz einer als „Apotheke“ bekannten Werkstatt in Tinnum landete, Freitagnachmittag dann die Diagnose „Stoßdämpfer hinten rechts ist rausgerissen“ erhielt, begann das Zittern, denn die Ersatzteile sollten erst Montagmorgen angeliefert werden. Die Ferienwohnung mußten wir Montagmorgen um 10 Uhr verlassen.
Auf unsere Anfrage bei der Vermieterin, ob wir unsere vielen Sachen im Untergeschoß vor dem Keller lagern könnten, bis ich den Wagen mit dem Bus nach Tinnum abgeholt hätte, bot unsere Vermieterin an, uns und all die Plünnen zur Werkstatt zu fahren. Eigentlich ein sehr nettes Angebot. Aber mir bereitete es Alpträume zum einen wegen des Umfangs unseres Gepäcks, andererseits weil ich nicht wußte, wann genau der Wagen fertig sein würde, ob wir mit all den Sachen dann in Tinnum auf der Straße im Regen stehen würden, ob es überhaupt weitere Komplikationen gäbe etc………
Aber – es ging alles gut! Die Vermieterin brachte uns und unsere vielen Dinge im Caddy problemlos zur Werkstatt, der Wagen war fertig – mein Konto auch…., – es schien die schönste Sonne, und wir konnten zur Heimfahrt starten.

Wir verließen viel früher als sonst die Insel. Gewöhnlich frühstücken wir noch irgendwo, gehen nochmal an den Strand, wenn das Wetter schön ist, und starten erst nachmittags. Diesmal standen wir in der brütenden Mittagssonne an der ersten Tankstelle nach dem Autozug, und ich hatte spontan die Idee, erstmal nach Tondern zu fahren statt mich in der Hitze auf der Autobahn zwischen LKWs zu quälen.
Als wir durch Süderlügum fuhren, sahen wir zufällig ein Hinweisschild zur Gedenkstätte KZ Ladelund. Spontan entschieden wir uns, dem Hinweisschild zu folgen, kamen über eine kleine Straße nach Ladelund, fanden aber auf dem ganzen Weg kein weiteres Hinweisschild. In Ladelund gab es eine Ortskarte, dort auch den Eintrag „Gedenkstätte“, so daß wir annahmen, daß damit das KZ gemeint sein könnte. Wir landeten an einem kleinen Dorffriedhof mit einem modernen Gebäude, das eine Ausstellung zum KZ in Ladelund enthielt, aber montags geschlossen hat. Ich blieb beim Auto, während Steffi sich umschaute. Und sie kam und kam nicht wieder. Ich pfiff, ich rief, keine Antwort. Dann verließ ein älterer Herr das Gebäude, den ich fragte, ob er eine einzelne Dame gesehen hätte. Ja, sie würde sich drinnen die Ausstellung anschauen. Wie? Die Ausstellung sei geöffnet? Nein, aber das Gebäude sei offen, da eine Besprechung stattfinden würde. Spontan ging er wieder mit mir in das Gebäude und gab Steffi und mir eine Spontan-Führung. Das war sehr nett und informativ! Hier der Link zur Gedenkstätte: http://www.kz-gedenkstaette-ladelund.de/

Nun war es für unseren Ausflug nach Tondern schon viel später. Wir fuhren weiter über sehr kleine Straßen nach Dänemark. Steffi fand unterwegs noch einen Stand mit dänischen Kartoffeln, und wir verbrachten dann in Tondern wesentlich weniger Zeit als geplant.

Als wir Tondern verließen, überlegten wir, wo wir übernachten könnten. Wir umfahren immer gern Hamburg, da die Fahrt DURCH Hamburg immer das Blödeste an der Reise nach Sylt ist. Steffi war neugierig auf Bad Segeberg. Wir befuhren die Bundesstraße 206, an der auch Bad Bramstedt liegt. Dann gibt es da auch noch Bad Oldesloe, und ich war neugierig, wieso das alles Bäder sind.
Wir beschlossen, uns erst Bad Bramstedt anzuschauen und dann gegebenenfalls weiter nach Bad Segeberg zu fahren.
Steffi hatte in Bad Bramstedt ein Hotel ausgesucht, an dessen Adresse uns als erstes „Seniorenresidenz xy“ begrüßte. Äh, ja…… Zum Glück war das Hotel ausgebucht. Wir riefen die Hotels in Bad Segeberg an: entweder ging niemand ans Telefon, oder sie waren ausgebucht. In Bad Bramstedt war es ähnlich bis auf ein Hotel, dessen Rezeption allerdings in einer Viertelstunde schloß. Das Navi schickte mich erst einmal in die Wüste…… Mit Hilfe von arabischen Einheimischen am Marktplatz fanden wir dann dieses Hotel am Ende eines langen Waldweges: Hotel Tanneneck. Vorbei führte uns unser Weg an den Gebäudekomplexen der Schön-Klinik. Da fiel es Steffi wie Schuppen von den Augen, wieso sie von Bad Bramstedt überhaupt schon einmal etwas gehört hatte: Aus beruflichen Gründen, da die Klinik psychische Erkrankungen behandelt.

Hatten wir auf der Hinreise in einem super stylish eingerichteten Hotel übernachtet, fanden wir hier nun das Gegenteil. Ich kam mir vor wie auf einer Konfirmandenfreizeit in den 70ern. Aber alles war sehr funktionabel. Diesmal gab es auch einen Schrank, kein spritzendes Waschbecken, sogar eine Terrasse und absolute Ruhe im Wald. Wir fanden auch noch einen Griechen, der noch geöffnet hatte und so lecker war, daß ich, wäre er in Berlin, sein Stammgast wäre.

Am nächsten Morgen fuhren wir dann weiter über Bad Segeberg und wollten eigentlich auf die 404. Aber irgendwie nahm ich eine Abfahrt auf eine kleine Straße, die über viele Dörfer führte. Ich persönlich liebe diese Art des Reisens. Da wir aber ja irgendwann doch nochmal in Berlin ankommen wollten, mußten wir in eine noch kleinere Straße Richtung 404 abbiegen. Diese kleine, gewundene, bergauf führende Straße brachte uns zufällig zum Kloster Nütschau, von dem ich noch nie etwas gehört hatte. Es wirkte dort gar nicht wie Norddeutschland, sondern eher wie der hügelige Süden. Da es einen Klosterladen gab, machten wir halt. Im Laden waren als Kundinnen die erwartbaren älteren Damen mit kurzen grauen Haaren und seligen Gesichtern. Draußen auf dem Gelände bewegten sich aber auch Gruppen von jungen Mädchen, die anscheinend gerade zu einer Tagung dort waren. Hier mal der Link zu unserer Kloster-Entdeckung: https://www.kloster-nuetschau.de/

Unsere Fahrt ging dann weiter endlich auf der Autobahn. Bei Wittstock gab es einen Stau. Also fuhr ich wieder ab und so lange auf kleinen, schönen Straßen durch Brandenburgs Dörfer, bis der Stau zu Ende war. Vor Berlin nahm ich – wie so oft – die falsche Ausfahrt, und fuhr nach Jahrzehnten zum ersten Mal wieder über Staaken nach Berlin hinein. Das hat sich ja verändert! Ich habe das früher geliebt, mit meinen alten Autos über diese huppelige Straße an den russischen Kasernen vorbeizufahren. Nun ist da alles zweispurig und ein Einkaufszentrum und Erlebnisbad nach dem nächsten. Naja……..

Tja, und nun versuche ich, mich wieder an die Neuköllner BewohnerInnen zu gewöhnen………

 

Wiebke Hoogklimmer

http://www.volksliedsammlung.de

Advertisements

Musik für Menschen mit Demenz

Eine gute Nachricht:

Der BEHR’s Verlag wird nun nach den Kinderliedern auch meine Weihnachtslieder-CD mit Großdruckliederbuch herausgeben. Der Erscheinungstermin ist voraussichtlich im September 2016 pünktlich zur Weihnachtszeit.

Hier nochmal der Link zu den schon existierenden Kinderliedern mit Großdruckliederbuch:

http://www.behrs.de/volkslieder.html/?mmtrc=wv12001&utm_source=wv12001

Großdruckband mit CD

Ausführliche Informationen zu meinem Projekt „Volkslieder als Therapie bei Demenzerkrankungen (Alzheimer) finden Sie auf meiner umfangreichen Website www.volksliedsammlung.de .

BEHR’S Verlag: “Volkslieder – Musik als Schlüssel zu Demenzkranken” – Großdruck-Liederbuch mit CD (2. Auflage)

Ab sofort ist die leicht überarbeitete 2. Auflage meines im BEHR’s Verlag erschienen Großdruck-Liederbuches mit CD wieder erhältlich:

http://www.behrs.de/volkslieder.html/?mmtrc=wv12001&utm_source=wv12001

Verlagstext:

„Volkslieder – Musik als Schlüssel zu Demenzkranken

32 Volkslieder zum Mit- und Vorsingen.
Zusammengestellt und gesungen von Wiebke Hoogklimmer.

Die Lieder wurden bewusst mit tiefer Stimme, ohne Instrumentalbegleitung und großer Textverständlichkeit gesungen, sodass es Angehörigen und Pflegekräften leichter fällt, mit ihrem Vater, ihrer Mutter oder der zu pflegenden Person zu singen, wenn sie mit der Sängerin auf der CD mitsingen können. Ein weiterer Gedanke war, dass viele Mitsing-CDs in zu hohen Tonlagen aufgenommen werden, bei denen die alten Damen und Herren nicht mehr mitsingen können, da die Stimme im Alter tiefer wird.

Darüber hinaus kann die reine Gesangsstimme von Musiktherapeuten auch als Gesangs-Karaoke verwendet und z.B. mit der Gitarre und von den Demenzkranken mit Klanghölzern etc. begleitet werden.“

Inhalt:

  1.     Auf einem Baum ein Kuckuck
  2.     Kuckuck, Kuckuck ruft’s aus dem Wald
  3.     Der Kuckuck und der Esel
  4.     Kommt ein Vogel geflogen
  5.     Ein Männlein steht im Walde
  6.     Auf unsrer Wiese gehet was
  7.     Auf der Mauer, auf der Lauer
  8.     Grün, grün, grün sind alle meine Kleider
  9.     Bruder Jakob, Bruder jakob
  10.     Hänschen klein
  11.     Hänsel und Gretel verliefien sich im Wald
  12.     Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh
  13.     Es klappert die Mühle
  14.     Heut kommt der Hans zu mir
  15.     Was macht der Fuhrmann?
  16.     Ein Mann, der sich kolumbus annnt
  17.     In einem Harung jung und stramm
  18.     Ich bin der Doktor Eisenbart
  19.     O du lieber Augustin
  20.     Ich bin ein Musikante
  21.     Ein Vogel wollte Hochzeit machen
  22.     Widele, wedele, hinterm Städele
  23.     Alle Vögel sind schon da
  24.     Jetzt fahrn wir übern See
  25.     Will ich in mein Gärtlein gehn
  26.     Zwischen Berg und tiefem, tiefem Tal
  27.     So geht es in Schnützelputz Häusel
  28.     Spannenlanger Hanselm nudeldicke Deern
  29.     I fahr, i fahr, i fahr auf der Post
  30.     Trara! Die Post ist da
  31.     Wer will fleißige Handwerker sehen
  32.     Wenn die Nachtigallen schlagen

Großdruck-Liederbuch mit CD

Viel Spaß beim Mitsingen!

Wiebke Hoogklimmer

Kinderlieder zum Mitsingen

Ich habe lange hier nichts mehr geschrieben, da ich Zeit zum Nachdenken brauchte, seitdem meine Mutter nicht mehr lebt.

Im Moment überlege ich, wie ich meine Website www.volksliedsammlung.de überarbeite, damit sie kompatibel für Smartphone und Tablet wird.
Ich persönlich würde meine Seite gern so individuell lassen wie sie ist, aber google schickt mir permanent Benachrichtigungen, daß sie die Seite aus den Suchergebnissen herausnehmen möchte. Dabei funktioniert die Website im Smartphone sehr gut. Ein kleines Problem ist das Abspielen der Lieder auf der CD/Hörproben-Seite, da man einen Shockwave-Player für das Smartphone braucht. Und ob die Links zu den Hörproben auf der Soundcloud-Seite mit Smartphone funktionieren, konnte ich noch nicht testen.

Falls Sie Lieder zum Mitsingen suchen, biete ich Ihnen meine Kinderlieder-CD mit 32 Kinderliedern an:
www.volksliedsammlung.de/cd.html

[Gesamtlänge: 60:52, mit 24-seitigem Booklet mit den Liedtexten]
CD zum Mit- und Vorsingen in tiefer Tonlage mit 32 Volksliedern
Pfefferkuchen Records
EAN 0885767979192

14,90 EURO + Porto (Vorkasse, Überweisung, PayPal, auf Rechnung)

Cover Kinderlieder-CD

Musik und Alzheimer

Ich habe meine Website www.volksliedsammlung.de überarbeitet und Möglichkeiten zum Teilen der einzelnen Seiten auf Facebook, Twitter, google+ etc. eingebaut.
Und so komme ich grad auf die Idee, mein Interview hier zu teilen, das ich am 10.4.2012 Ruth Hoffmann gab:

www.volksliedsammlung.de/interview.html

Gesang erreicht die Seele unmittelbar

fifty2go.de/10/04/2012/gesang-erreicht-die-seele-unmittelbar/
Ruth Hoffmann (Interview mit Wiebke Hoogklimmer), 10.4.2012

Wiebke Hoogklimmer ist Altistin. Gesungen hat sie schon von klein auf. Später studierte sie Musiktheaterregie und absolvierte ein privates Gesangstudium. Als ihre Mutter an Demenz erkrankte, nahm die Tochter eine CD mit Kinderliedern für sie auf. Damit fand sie eine Methode zur Kommunikation mit Demenz-Patienten.

fifty2go: War es ein Zufall, dass Sie Ihrer Mutter etwas vorgesungen haben oder haben Sie das regelmäßig gemacht?

Wiebke Hoogklimmer: In unserer Familie war es üblich zu singen. Wir waren so eine altmodische Familie, die im Schwarzwald in den 70er Jahren wanderte, der Vater mit Mundharmonika, daneben die Mutter mit zwei Kindern singend. Unser Vater spielte auch Akkordeon und begeisterte auf Feiern die Leute immer mit seinem gleichzeitigen Akkordeon- und Mundharmonikaspiel. Meine Mutter hatte darüber hinaus ihr Leben lang Liederbücher gesammelt.

Ich habe dann natürlich, als ich 18 war, erst einmal nicht mehr Volkslieder gesungen und fing erst damit an, als meine Mutter ins Johanniterstift gezogen war und ich eines Nachmittags dachte, das könne ihr Spaß machen. Sie sang damals so fröhlich mit, dass ich von da an regelmäßig mit ihr gesungen habe.

fifty2go: Wann erkrankte Ihre Mutter an Demenz?

Wiebke Hoogklimmer: Die erste Diagnose erhielt unsere Mutter im Jahr 2000. Unser Vater war 1998 gestorben, und unsere Mutter hatte natürlich sehr darunter gelitten. Sie hatte dann 2000 einen Fahrradunfall mit einer schweren Knieverletzung. Bei der Operation im Krankenhaus geschah ein Fehler, und unsere Mutter hatte acht Folge-Operationen. Danach begann sie, krakelig zu schreiben, verlernte das Stricken und konnte die Uhr nicht mehr lesen.

fifty2go: Was waren Ihre Empfindungen?

Wiebke Hoogklimmer: Am Anfang haben mein Bruder und ich die Diagnose erst gar nicht geglaubt. Mit den fortschreitenden Defiziten wurden wir aber natürlich eines Besseren belehrt. Aber wir waren auch nicht verzweifelt, sondern haben ganz sachlich überlegt, wie wir unserer Mutter helfen können. Zu Beginn ist die Krankheit ja noch nicht so schlimm, und wir hätten uns nie vorstellen können, dass unsere Mutter mal in dem Zustand ist, in dem sie sich nun befindet.

Als die Erkrankung 2005 sich immer mehr zuspitzte und klar war, dass meine Mutter immer mehr Hilfe braucht, hatte ich natürlich schon so den Gedanken „Ist nun mein eigenes Leben mit 45 jetzt vorbei?“ Als freiberufliche Sängerin musste ich mir schon große Gedanken machen, wie es mit mir persönlich weitergehen soll.

fifty2go: Haben Sie gegen die Krankheit Ihrer Mutter angekämpft?

Wiebke Hoogklimmer: Nein. Natürlich hat unsere Mutter die Medikamente vom neuesten wissenschaftlichen Stand verschrieben bekommen, und wir haben geschaut, wie wir ihr das Leben am besten erleichtern können. Aber gegen die Krankheit angekämpft haben wir nicht. Ich glaube auch, dass die beste Lösung ist, die Diagnose zu akzeptieren. Unsere Mutter hat am Anfang sehr gelitten, da sie als ehemalige Krankenschwester und Ausbilderin in der häuslichen Krankenpflege genau wusste, was auf sie zukommen würde. Darüber haben wir auch lange Gespräche geführt.

Das Einzige, wogegen man als Angehörige einer Alzheimerpatientin ankämpfen muss, sind die Krankenkasse, der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MdK), das Versorgungsamt, die Gebühreneinzugszentrale und anderes. Meine Widersprüche füllen inzwischen zwei Ordner! Aber ich habe sie alle gewonnen.

fifty2go: Nach welcher Zeit hörte die Kommunikation mit Ihrer Mutter auf?

Wiebke Hoogklimmer: Mit dem Fortschreiten der Krankheit wurden die Wortfindungsprobleme meiner Mutter natürlich immer schlimmer. Ich glaube, seit 2008 spricht meine Mutter nicht mehr.

fifty2go: War der Gesang und die Musik auch für Sie selbst ein Weg, mit der Situation fertig zu werden?

Wiebke Hoogklimmer: Ja. Zum einen ist es für einen selbst viel befriedigender zu singen, als Monologe zu halten, bei denen einem auch irgendwann der Gesprächsstoff ausgeht; zum anderen habe ich beim Singen gemerkt, wie schön manche Volkslieder sind. Auch viele Texte treffen bestimmte Emotionen und Lebenslagen – das ist mir früher gar nicht so klar gewesen. So bin ich nach dem Volksliedsingen selbst auch wesentlich fröhlicher.

fifty2go: Wie bemerkten Sie, dass Ihre Mutter auf die Lieder reagierte; was tat sie?

Wiebke Hoogklimmer: Ganz zu Beginn, als meine Mutter die Sprache verlor, war ich ganz überrascht, dass sie bei meinem Gesang auf einmal komplizierte Phrasen mitsang. Oder sie sagte plötzlich „Schön“. Einmal fragte ich sie, ob sie eingeschlafen sei, da kam ganz deutlich „Nein“. Da war mir klar, sie hat den Gesang genossen. Kürzlich habe ich ihr vorgesungen, da kam von ihr zuerst überhaupt keine Reaktion. Bei ‚Hänschen klein’ reagierte sie auf einmal ganz stark emotional, versuchte sich zu bewegen, ihr Mund verzerrte sich zum Lachen oder Weinen, und sie war ganz erregt. Beim nächsten Lied war sie wieder ruhig. Ein paar Lieder weiter reagierte sie noch einmal ganz stark und fing an zu brabbeln. Also irgendetwas wollte sie mir sagen.

fifty2go: Was löste diese Reaktion in Ihnen aus?

Wiebke Hoogklimmer: Ich habe mich darüber sehr gefreut, da wir so gemeinsame intime Momente haben. Ich kann ja sonst nur über Körperkontakt eine Verbindung zu ihr herstellen.

fifty2go: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine CD für Demenzkranke aufzunehmen?

Wiebke Hoogklimmer: Das war etwa vor dreieinhalb Jahren. Ich war wieder im Zimmer meiner Mutter und sang mit ihr, beziehungsweise ich sang und sie zeigte zwischendurch Reaktionen. Da dachte ich auf einmal, dass sicher auch andere Angehörige gern mit ihren Eltern kommunizieren würden, aber vielleicht die Volkslieder nicht mehr kennen oder nicht so gut singen können, und dass es vielleicht helfen würde, wenn man dann mit der Sängerin auf der CD mitsingen könnte.

fifty2go: Haben Sie eventuell schon Rückmeldungen bekommen, ob auch andere Patienten darauf reagieren?

Wiebke Hoogklimmer: Ja. Ich bin ganz überrascht über die ganzen Rückmeldungen! Die CD wurde von einigen Pflegedienstleitungen und Sozialdienstleitungen gekauft, und es scheint mit den Demenzkranken zu funktionieren. Ich habe die Lieder ja extra in tiefer Tonlage aufgenommen, da im Alter die Stimme immer tiefer wird und viele Mitsing-CDs in zu hoher Tonlage für die ältere Generation sind. Also bisher habe ich die Rückmeldung, dass fröhlich mitgesungen wird.

fifty2go: Was hat Sie selbst dazu bewegt, Sängerin zu werden?

Wiebke Hoogklimmer: Ich habe schon im Kindergarten sehr gern gesungen. Mit acht Jahren kam ich in den Mädchenchor Hannover, mit neun Jahren in den Kinderchor des Opernhauses Hannover…

fifty2go: Und wann haben Sie die Musiktheaterregie für sich entdeckt?

Wiebke Hoogklimmer: Nach dem Abitur war mir klar, dass es mir nicht genügen würde, nur Gesang zu studieren. Der Studiengang ‚Musiktheaterregie“ war damals, 1978 sehr neu. Der Studiengang umfasste Szenenunterricht, Gruppen-Gesangs- und Klavierunterricht, Notenlehre, aber auch den theoretischen Teil wie Dramaturgie, Musikwissenschaft, Psychologie, Musik- und Weltgeschichte und so weiter. Das sprach mich damals mehr an.

fifty2go: Was sind Ihre hauptsächlichen Betätigungsfelder?

Wiebke Hoogklimmer: Nach drei Jahren Gesangsunterricht kam ich in die Altgruppe des RIAS Kammerchores. Obwohl die Bezahlung in Rundfunkchören hervorragend ist, fand ich für mich sehr schnell heraus, dass ich nur als Solistin glücklich werden kann und begann damit, Liederabende als Solistin zu geben. Meine Idee war dann, Regie und Gesang in den Liederabenden zu verbinden. Ich hatte beispielsweise ein halbszenisches Programm mit zeitgenössischen jüdischen Komponisten für Stimme und Schlagzeug und plante auch einen Film zu Aufnahmen von mir.

Diese ganze Idee wurde erst einmal durch die Alzheimererkrankung meiner Mutter unterbrochen, ist aber immer noch sehr präsent und in Planung.

fifty2go: Welchen Weg sind Sie gegangen, um diese Erfahrung zu verarbeiten?

Wiebke Hoogklimmer: Meine ganz persönliche Lebenseinstellung ist, dass ich das, was das Leben mir anbietet, annehme und zum Positiven wende. Trotz des tiefen Einschnitts in mein persönliches und berufliches Leben habe ich die Alzheimererkrankung meiner Mutter nicht als Schicksalsschlag empfunden, sondern als große Bereicherung und Lebenserfahrung. Ich habe an der Erkrankung meiner Mutter gelernt, was das eigentlich Schlichte und Schöne ist, das das Leben lebenswert macht. Als selbstbestimmte erwachsene Person bedeuten einem natürlich Erfolg im Beruf und viele Äußerlichkeiten sehr viel. An meiner Mutter kann ich sehen, dass das schlichte Lebensglück darin liegt, keine materiellen Sorgen zu haben und ganz einfach Essen, Trinken, Sonne, Musik zu genießen.

Wiebke Hoogklimmer – www.volksliedsammlung.de

Weihnachtsgeschenke für Senioren – Mitsing-CD…..

.

…… finden Sie auf meiner Website www.volksliedsammlung.de/cd-weih.html.

28 Weihnachtslieder zum Mitsingen mit 24-seitigem Booklet mit den Liedtexten. (Wiebke Hoogklimmer, Altstimme.)

Die CDs nehme ich bewußt mit tiefer Stimme auf, da viele Mitsing-CDs oft für die Mitsingenden zu hoch sind. Auch auf die Instrumentalbegleitung habe ich bewußt verzichtet, um den Mitsingenden die Möglichkeit zu geben, beim Singen im Vordergrund zu stehen und die Stimme der Sängerin im Hintergrund als Unterstützung zu nehmen.
Die CDs sind natürlich auch für Eltern und ihre Kinder geeignet wie überhaupt für alle Menschen, die gern Volkslieder singen!

 

Cover Weihnachtslieder - Album 2

Cover Weihnachtslieder – Album 2

Artikel im FOLKER 6/2014 (Nov/Dez): “Volkslieder gegen Demenz” – Interview mit mir

FOLKER
Ausgabe 6/2014 November/Dezember, Seite 40

 

“Hänschen klein erinnert
Volkslieder gegen Demenz
Erfahrungen der Sängerin Wiebke Hoogklimmer”

Text: Kay Reinhardt

Im September 2014, als ich nicht ahnte, daß meine Mutter am Ende des Monats nicht mehr leben würde, gab ich der Zeitschrift FOLKER ein Interview zu meinem Volksliedprojekt. Mein Interviewpartner war Kay Reinhardt.

Nun ist dieser Artikel in der November/Dezember-Ausgabe des FOLKER erschienen (6/2014) – www.folker.de

Mit dem Klick auf das Foto öffnet sich die pdf-Datei zum Lesen des Artikels:

FOLKER - Volkslieder gegen Demenz

www.volksliedsammlung.de

 

.

%d Bloggern gefällt das: